06.05.2013

Herr Braun geht zum Hausarzt - weshalb es Hausärzte braucht!


Herr Fritz Braun war ein sehr distinguierter Herr, Unternehmer mit vielen persönlichen und institutionellen Beziehungen, mit einem grossen  sozialen Netzwerk. Ein Aesthet und Kunstliebhaber. Als langjähriger Raucher litt er an einer chronischen obstruktiven Lungenkrankheit. ,  Zur Behandlung dieses Leidens ging er regelmässig zum Lungenspezialisten. Er kannte auch einen Herzspezialisten an der Universitätsklinik, den er gelegentlich aufsuchte, um sich bestätigen zu lassen, dass keine Gefahr im Anzug sei. Zu mir als Hausarzt kam nur "in Not", für "Kleinigkeiten",  wie Erkältungen oder bei Bauchschmerzen, wenn er wieder einmal zu viel gegessen hatte. 
Mit den Jahren wurden diese Besuche allerdings häufiger. Ein Altersdiabetes erforderte regelmässige Kontrollen und Behandlung, zuerst mit Tabletten, später musste er sogar Insulin spritzen. 

Es trat ein erhöhter Blutdruck auf und es plagten ihn Schmerzen von Seiten einer Hüftarthrose beim Gehen. Herr Braun wurde gebrechlich und brauchte häufiger Rat. 

Als der Lungenspezialist, den er nach wir vor „sicherheitshalber“ konsultierte,  feststellte, dass Prostatawert (PSA) deutlich  zu hoch für einen 80jährigen Patienten sei und somit auf einen versteckten Tumor hindeute, war er stark verunsichert. Der Lungenspezialist wollte ihm allerdings dazu keinen Rat geben, dies sei nicht sein Gebiet. Er verwies ihn an den Hausarzt. Dieser solle mit ihm das weitere Vorgehen besprechen. Nach sorgfältigem Abwägen riet ich ihm  in Würdigung seiner gesamten gesundheitlichen Situation und bei fehlenden Symptomen "abzuwarten". 
Fehlende Beschwerden von Seiten der Prostata bei fortgeschrittenem Alter lassen im Allgemeinen darauf schliessen, dass ein vermuteter Prostatatumor für den Patienten keine Bedeutung erlangen wird. 
Die anderen chronischen Krankheiten hingegen waren für den Patienten von weitaus grösserer Bedeutung. Natürlich war der Patient trotzdem sehr beunruhigt und verunsichert, ob dieses Vorgehen richtig sei, ob nicht doch etwas gemacht werden müsse. In den folgenden Konsultationen, zu denen der Patient wegen des Diabetes mellitus zu mir kam, haben wir das Problem und das Abwarten immer wieder besprochen. Trotz seiner Verunsicherung, hielt sich der Patient an meinen Rat, er liess sich dieses Vorgehen natürlich noch mehrmals im Rotary Club von Medizinern bestätigen! 
Anlässlich einer späteren Konsultation sagte der Patient spontan: "Erst mit dem Alter habe ich realisiert, wie wichtig es ist, einen Hausarzt zu haben! Es ist viel wichtiger, einen Hausarzt zu haben, dem man vertraut, als bei x (oder: vielen) Spezialisten seine Organe kontrollieren zu lassen"!


Diese typische Geschichte zeigt anschaulich,  weshalb es wichtig ist, dass Sie einen Hausarzt haben:

  • Der Hausarzt kennt nicht nur Ihre Organe, er kennt Sie als Person. Gerade im höheren Alter leidet der Mensch nicht nur an einer einzigen Krankheit. Das Zusammentreffen mehrerer Krankheiten erfordert ein individuelles Vorgehen. Gelegentlich können die Richtlinien, die zur Behandlung der einzelnen Krankheiten von Spezialisten definiert werden, nicht vollständig eingehalten werden. Manchmal gilt dabei „weniger ist mehr“, das heisst durch Weglassen von medizinischen Massnahmen gewinnt der Patient an Lebensqualität, ohne an dass die Lebenserwartung verkürzt wird.  
  • Der Hausarzt berät Sie, ob und wann Spezialisten zugezogen werden sollen. Er verweist Sie an die zuständigen Spezialisten und orientiert diese über Ihre gesundheitlichen Probleme. 
  • Der Hausarzt koordiniert die Behandlungen, sollten sich mehrere Spezialisten um Ihre Gesundheit kümmern müssen. Er pflegt eine gute Kooperation mit den Spezialisten.
  • Beim Hausarzt bekommen Sie eine Zweitmeinung, sofern Sie nicht sicher sind, ob vorgeschlagene Therapien richtig sind. 
  • In der modernen Medizin gibt es eine Flut von Richtlinien und Empfehlungen, nicht immer können alle eingehalten werden. Der Hausarzt findet für Sie den optimalen Behandlungspfad.
  • Der Hausarzt kümmert sich auch um vorbeugende Massnahmen: Impfungen, Reiseberatung, Diätregeln gehören zu seiner täglichen Beratungstätigkeit.


Autoren:
Dr. med. Peter Strohmeier, Innere Medizin FMH, Therwil und 
Dr. med. Peter E. Schlageter, Innere Medizin FMH, 4153 Reinach

24-4-2013

MEDGES INTERN


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